Wenn Träume wahr werden…

Erik Peters / Abenteuer Nordamerika, Reiseberichte / / 6 Comments / Like this

„Es tut mir schrecklich leid, aber der neue Kolbenring wird wohl aus Philadelphia eingeflogen werden müssen“, sagt die füllige Dame in Uniform und hebt dabei ratlos die Schultern. Alain und ich schauen uns entsetzt an. Das ist keine gute Nachricht. Sie bedeutet nämlich, dass der Rest des Tages kein Zuckerschlecken wird. Warum zum Teufel hat die Fährgesellschaft auch keine Ersatzteile für ihre Schiffe auf Lager? Stümper! So müssen wir heute noch knapp 700 Kilometer durch Regen und eisige Temperaturen fahren. Abfahrt ist wohlgemerkt erst nach 17 Uhr.

Ich liebe schmutzige Motorräder

 

 

Es bleibt uns nichts anderes übrig, denn wir haben ausnahmsweise ein Hotel in Valdez gebucht und wollen in dem Ort, der durch die Öl-Katastrophe der „Exxon Valdez“ im Jahr 1989 zu trauriger Berühmtheit kam, ein paar Tage bleiben, um uns ein paar Träume zu erfüllen. Wir reißen am Gashahn und nehmen die Strecke in Angriff.

Die ersten 100 Kilometer von Whittier über Anchorage tun richtig weh. Es ist schneidend kalt und schüttet wie aus Eimern. Doch nach einer Weile, als wir weiter ins Landesinnere vorgedrungen sind, klart der Himmel wieder auf. Es kommt uns vor, als wolle Petrus uns eine Freude bereiten. Die Fahrt über den Glenn-Highway ist ein Traum und im Nachhinein sind wir froh, dass wir die Fähre durch den „Prince William Sound“ nicht nehmen können, denn wir werden in den nächsten Tagen viel, viel grandiosere Dinge sehen und erleben…

 

Um halb drei Nachts kommen wir in dem traumhaft gelegenen Städtchen Valdez an. Eigentlich würden wir nichts lieber tun, als ins Bett zu fallen, um den müden Knochen einige Stunden Schlaf zu gönnen, doch bereits drei Stunden später klingelt wieder der Wecker. Wir haben rot unterlaufene Augen und jeder Winkel des Körpers schmerzt. Wir haben es eben so gewollt.  Unser Programm in Valdez beginnt mit einer Kayaktour durch die riesigen Eisfelder des Columbia Gletschers. Zwei Stunden dauert die Fahrt mit einem eisbergfähigen Schlepper dorthin. An einem von Eisbergen übersäten Strand, unweit der Stelle, wo der 50 Kilometer lange und über 10 Kilometer breite Eisriese ins Meer kalbt, laden wir die Kayaks von Bord und machen uns auf den Weg. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr uns beide dieser Fleck Erde beeindruckt hat.

 

Doch das soll in Valdez noch nicht alles gewesen sein. Wir fahren am nächsten Tag mit San Stephens Cruise zu einem weiteren Gletscher, sehen Killerwale, Buckelwale, Delphine, Seelöwen, Papageitaucher, und, und, und – das ganze Programm, das Alaska zu bieten hat. Einfach Wahnsinn.

Auf dieser Tour lernen wir auch Leigh kennen, eine Hubschrauberpilotin aus Kalifornien, die meiner Meinung nach den geilsten Job hat, den man sich vorstellen kann. Mit ihrem Helikopter fliegt sie im Sommer Touristen und Transportaufträge für Ölgesellschaften in Alaska und im Winter dasselbe auf Hawaii. Wir verstehen uns prächtig und sie bietet mir an, mich einmal mit ihrem eigenen Hubschraubehinauf auf den Gletscher zu fliegen. Wenn es eine Sache gibt, die man in Alaska gesehen haben muss, so Leigh, dann diese Landschaft. Normalerweise müsste ich sagen, dass ich das nicht annehmen kann, da ich jedoch an die Aufnahmen für den nächsten Film denke (und sie sind großartig geworden) nehme ich das grandiose Angebot an.

 

Der Flug und die Landung auf dem Valdez-Gletscher gehört definitiv zu den tollsten Sachen, die ich in meinem Leben je gemacht habe. Alaska aus der Luft zu sehen und auf einer viele hundert Meter dicken Schicht aus Eis mitten in der Einsamkeit des Nichts zu stehen, das hat mein Leben wirklich bereichert und es war bislang DAS Highlight von „Abenteuer Nordamerika“. Ich kann jedem, der einmal nach Alaska kommt, solch einen Flug empfehlen. Es gibt nur wenige Sachen, die ihr Geld so wert sind.

Meine absolute und uneingeschränkte Empfehlung: http://vshelicopters.com/

Landung auf dem Valdez-Gletscher

 

Gletscherlandschaft aus der Luft

Von Valdez, dem größten Erdölumschlageort Nordamerikas geht es jetzt stramm in Richtung Norden. Entlang der Alaska Pipeline wollen Alain und ich zu nördlichsten befahrbaren Punkt Alaskas fahren. Über den Dalton „Highway“ nach Prudhoe Bay am Polar Meer. Ich bin gespannt, was wir unterwegs alles erleben werden…