Flip-Flops und Gletschereis

Erik Peters / Abenteuer Nordamerika, Reiseberichte / / 3 Comments / Like this

 

Schusswaffen, Bärspray oder sonst irgendwelche Verteidigungsstrategien – alles Firlefanz! Ich versuche einfach wie ein Bär auszusehen und zu riechen…:-)

 

Wer mit dem eigenen Fahrzeug nach Alaska reist, der kommt zwangsläufig durch die grenznahe Kleinstadt Tok. Ein verschlafenes Kaff mit breiter Durchgangsstraße, das außer einem genialen Restaurant (Fast Eddys) nicht sonderlich viel zu bieten hat. Der Grund, warum wir hier unsere erste Nacht in Alaska verbringen wollten ist der „Motorcycle Campground“, den die sympatische Harleyfahrerin Vanessa betreibt. Das besondere auf ihrem extra für Motorradreisende angelegten Campingplatz mitten im Wald, ist neben der heimeligen Atmosphäre ein kleines „Steamhouse“, eine urige Sauna, die im Preis für 10 Dollar pro Nacht inbegriffen ist. Mit einem Sixpack Bier bewaffnet haben Alain und ich dort den ganzen Abend geschwitzt und über das Reisen philosophiert.

 

Über den Denali Highway, eine der schönsten Schotterstraßen Alaskas ging es nach einer langen Nacht, die wir mit Motorradfahrern aus verschiedenen Ländern am Lagerfeuer verbracht haben, in Richtung des Denali Nationalpark – dem bekannstesten Nationalpark Alaskas. Ich habe von einigen Leuten gehört, dass sie nach einem Besuch ziemlich enttäuscht waren und sie den Park als Abzocke empfanden. Diese Einschätzung kann ich in keinster Weise teilen. Uns beiden hat der Park richtig gut gefallen. Das mag aber auch daran liegen, dass  wir uns nicht nur in den Bus gesetzt haben, wie es die meisten Besucher machen, um fünf Stunden lang in den Park hinein und genauso lange wieder chauffiert zu werden. Vor 16 Jahren habe ich den Park schon einmal mit einer „Wildernes-Permit“ zu Fuß durchquert und wusste daher , dass sich einem die Großartigkeit dieser Landschaft mit all den vielen wilden Tieren erst dann erschließt, wenn man abseits der „Park Road“ auf Schusters Rappen unterwegs ist. Wer also den Denali Nationalpark besucht, der sollte zumindest für ein paar Stunden die Wildnis auf eigene Faus zu Fuß erleben – Ach ja, Bärenspray nicht vergessen…

Der Denali Highway (schöne Bezeichnung für eine staubige Piste), ist meine persönliche Lieblingsstrecke in Alaska

 

Die Wartezeiten an amerikanischen Baustellen können mitunter locker eine Stunde dauern…

Der Weg weiter südlich in die Hauptstadt Alaskas Anchorage, wird im Reiseführer als wenig spektakulär bezeichnet. Auch die „Milepost“, die Reisebibel für alle Alaska-Touristen, bietet nicht sonderlich viele spannende Informationen. Umso überraschter sind wir, dass die Strecke bis Talkeetna, südlich des Mt. Denali ein absolutes Highlight ist. Die Streckenführung ist phantastisch und auf jedem Kilometer ist man von den riesigen Bergen der Alaska Range umgeben. Dass an diesem Tag noch die Sonne von einem wolkenlosen Himmel scheint und wir bei knapp 30 Grad erstmals auf dieser Reise so richtig ins Schwitzen kommen (mal von der Sauna auf dem Motorcycle Campground abgesehen), steigert die Freude, auf dem Motorrad sitzen zu können, ins Unermessliche.

Nachdem wir in Anchorage einen kurzen Zwischenstopp eingelegt haben, geht es weiter auf die Kenai Halbinsel. Das Alaska einst von Russischen Pelzhändlern besiedelt wurde und das riesige Stück Land erst im Jahre 1867 zum Schnäppchenpreis an die USA verkauft wurde (die Russen werden sich wohl bis heute ärgern), davon zeugen heute noch so manche Spuren. An einigen Orten stehen noch in kyrillisch geschriebene Schilder und auf einigen Kirchen haben bis heute die Zwiebeltürme mit den russisch-orthodoxen Kreuzen überlebt.

Russisch-Orthodoxe Kirche in Kenai

 

Seit wir nun in Alaska sind, beschert uns ein Hoch sommerliche Temperaturen. Über Tage schwitzen wir beide um die Wette, tragen T-Shirts und wir bereuen, „noch“ keine kurzen Hosen im Gepäck zu haben. Das Alaska aber auch anders kann, das zeigt sich an dem Morgen, als wir von Kenai nach Steward aufbrechen. 28 Grad Temperatursturz an nur einem Tag. Bei Schneeregen um den Gefrierpunkt bauen wir die Zelte ab und machen uns weiter auf den Weg nach Steward. Auch wenn Motorrad fahren bei Sonne deutlich mehr Spaß macht, gehört dieses widrige Wetter für uns doch irgendwie zu Alaska dazu. Alsakaner sagen sowieso, dass es hier oben in Nordamerika nur zwei Jahreszeiten gibt – die in der es schneit und die, in der der Schnee wieder schmilzt…

Valdez steht als nächstes Etappenziel an, doch ein defekter Motor sollte uns einen Strich durch die Rechnung machen…

Mehr dazu im nächsten Blog

 

 

 

Gletschersee nahe dem Ort Whittier