On the road again

Erik Peters / Abenteuer Nordamerika, Reiseberichte / / 7 Comments / Like this

Die Aufregung der letzten Tage legt sich, als ich aus dem Flughafengebäude hinaus ins Freie trete. Ich habe es geschafft. All die Sorgen und Fragezeichen sind vergessen. Aus jetziger Sicht waren sie auch völlig überflüssig, denn die Einreise war, abgesehen von den üblichen Fragen nach dem Wieso, Weshalb und Warum, ein Kinderspiel. Das mein Motorrad nun schon seit knapp einem halben Jahr mehr oder weniger illegal in Vancouver steht, das hat den Zoll überhaupt nicht interessiert.

Wo ich die letzte Reise beendet habe, da beginnt diese wieder – English Bay Vancouver

Die ersten Tage verbringe ich zusammen mit meiner Freundin in Yaletown, einem schicken Stadtviertel in Downtown Vancouver. Heike hat mich begleitet, damit wir noch ein paar gemeinsame Tage verbringen, bevor wir uns eine ganze lange Weile nicht mehr sehen werden. Was soll ich sagen, wir haben eine verdammt gute Zeit zusammen. An den Moment des Abschieds möchte ich in diesem Moment lieber noch nicht denken. Verdrängen heißt die Devise. Doch wie das immer so ist, schöne gemeinsame Stunden vergehen wie im Flug.

Das Wetter könnte besser sein. Als wir ankommen zeigt Vancouver, warum die Einheimischen ihre Stadt auch „Rain City“ nennen. Dicke schwarze Regenwolken treiben vom Pazifik her über die Stadt und lassen ihre Ladung mit deprimierender Beharrlichkeit auf uns abregnen. Nach zwei Tagen bricht die Sonne endlich durch. Zwei Wochen lang sollen die Temperaturen deutlich über dem Durschschnitt liegen und – oh Wunder – der erste Sonnenbrand der Reise färbt mein Gesicht. Damit habe ich zu diesem Zeitpunkt ganz sicher nicht gerechnet.

 

Wetter bei der Ankunft (Das Foto hat meine Freundin gemacht – ich bin ganz begeistert…:-)

 

Der Belugawal ist die Attraktion im wirklich sehenswerten „Vancouver Aquarium“

Drei Tage bevor Heike wieder nach Deutschland fliegt bekomme ich eine Mail von meinem Freund Alain, der mich auf dieser Reise begleiten will und der eigentlich in 48 Stunden ankommen müsste. Der ein oder andere mag Alain aus meinem Buch „Cologne-Shanghai“ kennen. Er ist vor knapp zwei Monaten nach Buenos Aires gezogen, wo seine Freundin einen Job als Lehrerin an einer deutschen Schule angenommen hat. Seinen ganzen Hausstand inklusive der Motorradklamotten, hat er im Container per Seefracht von Deutschland nach Argentinien verschifft. Doch er hat die Mühlen der argentinischer Bürokratie unterschätzt, denn die mahlen seeehr langsam. Fazit der Geschichte ist, dass nichts so geklappt hat, wie er es sich vorgestellt hat, was nun den ganzen Zeitplan über den Haufen wirft.

Seesterne bei Ebbe am Strand auf Vancouver Island

„Ich schaffe es nicht und werde etwa zwei Wochen später kommen“ – als ich diese Worte lesegt, weiß ich zunächst nicht, wie ich reagieren soll. Ich fühle mich schlagartig an den Moment zurück versetzt, als ich auf unserer ersten Reise vor dem Kölner Dom stand und er den Abfahrtstermin verschlafen hatte. Doch damals ging es um einen Tag – dieses Mal gleich um ganze zwei Wochen! Nun denn, wir werden sehen, wie es weiter geht. Ich hätte mich jedenfalls sehr gefreut, wenn er pünktlich gekommen wäre – um es mal freundlich auszudrücken. Ob ich ihn nun empfangen werde oder ob ich aufgrund einer bereits gebuchten Fährpassage, der „Inside Passage“, vorfahren werde, das steht noch nicht fest. Zu allem Übel kommt noch erschwerend hinzu, dass Alain noch gar kein Motorrad hat. Dies will er sich erst nach der Ankunft hier in Kanada kaufen. Eines muss ich meinem Freund lassen: Nerven hat er ja…

 

Auf der Suche nach „Wilden Tieren“…

Der Abschied von meiner Freundin ist wie befürchtet verdammt hart. Es ist ein sehr emotionaler Moment, als wir uns das letztes Mal für etwa 4-5 Monate in den Arm nehmen. Ein Gefühl tiefer Traurigkeit lässt die Euphorie verblassen, dass nun die eigentliche Reise beginnen wird. Dies, die Geschichte mit Alain und der bevorstehende technische Dienst an meinem Motorrad, von dem ich nicht weiß, wie es den Winter überstanden hat, drücken mächtig auf die Stimmung.

Als ich nach einem langen Schraubertag jedoch zum ersten Mal wieder auf meiner Ténéré sitze und die ersten Kilometer dieser Tour fahre, fühlt es sich so an, als würde eine zentnerschwere Last von meinen Schultern fallen. Ich bin wieder on the road! Rock’n’Roll, ist das geil!

 

 

Gut gelaunt lasse ich Vancouver zunächst erst einmal hinter mir und fahre in Richtung Osten. Seit zwei Tagen bin ich nun auf einem wunderschönen Campingplatz in dem kleinen Städtchen Hope und campiere direkt am Ufer des Fraser River. Nun werde ich mich erst einmal ein in der Gegend aufhalten und mich wieder an das Leben im Zelt gewöhnen. Es ist jedes Mal dasselbe. Zu Beginn jeder Reise dauert es eine ganze Weile, bis ich endlich weiß, wo ich was verstaut habe. So kann die Suche nach dem Ladegerät für die Kamera zunächst ergebnislos sein, um es dann später im Schlafsack zu finden. Momentan verbringe ich ganz einfach viel Zeit damit, irgendeinen Scheiß zu suchen, der Rest geht für Filmen, Feuer machen und Bier trinken drauf 🙂

 

Hope ist ein typischer Durchgangsort, der an sich nicht allzu viel zu bieten hat, wäre hier nicht vor genau 30 Jahren einer meiner Lieblingsfilme gedreht worden – Rambo Teil 1 J. Ich finde es großartig und habe richtig Spaß daran, mit dem Motorrad die Strecke zu fahren, die John Rambo damals mit seinem gestohlenen Motorrad gefahren ist, um danach die halbe Stadt in Schutt und Asche zu legen. Ja, in Hope ist mal stolz auf John Rambo. Im Touristeninformationscenter bekommt man sogar kostenloses Kartenmaterial für die sogenannte „Rambo Walking Tour“. Diese verbindet die wichtigsten Drehorte des Films. Ich finde diese Idee großartig und würde mir am liebsten ein Stirnband überziehen…

 

Wo einst John Rambo sein Unwesen trieb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie es in der nächsten Woche weitergeht, werde ich spontan entscheiden. Ihr werdet es erfahren.

 

 

Happy Trails

Erik

 

Mehr Bilder folgen. Mc Donalds, vor dem ich gerade sitze um alles hochzuladen, macht gleich zu…