Keine Liebe auf den ersten Blick…

Erik Peters / Abenteuer Asien, Aktuelles, Reiseberichte / / 4 Kommentare

 Der erste Eindruck, den ich von einer fremden Stadt oder einem Land gewinne, deckt sich in den allermeisten Fällen auch mit dem Gesamteindruck, der dann später im Laufe der Zeit entsteht. Im Falle von Kambodscha muss ich sagen, dass ich noch nie zuvor so gründlich danebengelegen habe.

 

Schon kurze Zeit nachdem ich die Grenze überquerte, habe ich mich bereits auf den Moment gefreut, Kambodscha wieder zu verlassen. Die ersten Kilometer waren grauenhaft: die schlechtesten Straßen der bisherigen Reise und die aggressive, rücksichtslose Fahrweise der Kambodschaner, die selbst die übelsten Verkehrsrowdys in Thailand oder Laos wie Waisenknaben dastehen lässt, nagten an meiner Motivation. Ich war zutiefst enttäuscht und hätte zu diesem Zeitpunkt niemals erwartet, dass Kambodscha es doch tatsächlich noch schaffen würde, mein Herz zu erobern.

Grund dafür ist nicht etwa die Landschaft – Kambodscha ist größtenteils flach wie ein Teller und kann, nachdem,was ich von Laos und Thailand gesehen haben, den beiden Nachbarn nicht das Wasser reichen. Nein, hier haben vor allem die Menschen gepunktet. Ich habe die Kambodschaner als noch wesentlich neugieriger, offener und freundlicher erlebt, als die ohnehin schon großartigen Thais und Laoten. Selten zuvor habe ich mich in einem völlig anderen Kulturkreis so wohl gefühlt.

  

Leider bekommt man in Laos oder Kambodscha nur sehr wenige wilde Tiere zu Gesicht...
Leider bekommt man in Laos oder Kambodscha nur sehr wenige wilde Tiere zu Gesicht…

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Mein erster Weg führte mich von der Grenze in Richtung der Hauptstadt Phnom Penh. Nach anstrengenden 500 Kilometern über von Schlaglöchern zerfressenen Staub-Pisten erreiche ich die am Ufer des Mekong gelegene Millionenmetropole.

Phnom Penh ist eine tolle Stadt, die ohne eigentliche Highlights auskommt. Auf die beiden eigentlichen Sehenswürdigkeiten sollte man sich mental vorbereiten, denn sie beschäftigen sich mit der dunklen, noch jungen und unsäglich traurigen Geschichte des Landes. Im Völkermordmuseum, einem ehemaligen Foltergefängnis und auf den „Killing Fields“, wo damals die grausamsten Hinrichtungen stattgefunden haben, bekommt man auf beklemmende Art und Weise vor Augen geführt, zu was für unvorstellbaren Gräueltaten wir Menschen doch immer wieder in der Lage sind.

Im Falle von Kambodscha waren es die Roten Khmer um deren Führer Pol Pot, die das Land Mitte der Siebziger Jahre in einen dunklen Abgrund stießen. Der Vision der Steinzeit-Kommunisten, einen reinen Bauernstaat zu errichten, fiel ein Drittel der gesamten Bevölkerung zum Opfer. Fast die gesamte Mittel- und Oberschicht wurde ermordet und oftmals war das Tragen einer Brille oder gar weiche Hände verdächtig genug, um umgebracht zu werden. Die Details, die man in den beiden wirklich lohnenswerten Museen erfährt, machen einen einfach nur fassungslos und es bedarf einer Weile, bis man sich wieder an den schönen Seiten des Landes erfreuen kann…

 

Ein Ort der fassungslos macht! Tuol-Sleng-Genozid-Museum - in dem ehemaligen Foltergefängnis S-21 wurden unvorstellbare Verbrechen begangen
Ein Ort der fassungslos macht! Tuol-Sleng-Genozid-Museum – in dem ehemaligen Foltergefängnis S-21 wurden unvorstellbare Verbrechen begangen
Gedenkstätte an den "Killing Fields"
Gedenkstätte an den „Killing Fields“

Der eigentliche Höhepunkt dieser Reise ist für mich der Besuch der Tempelanlagen um Angkor Wat. Schon vor Jahren, als ich begann, mich intensiver mit der Fotografie auseinanderzusetzen, war es ein großer Traum von mir, dort einmal mit der Kamera auf Pirsch zu gehen. Das ich dies nun sogar mit dem Motorrad erleben darf, erfüllt mich mit einem Gefühl tiefster Dankbarkeit.

Wer Angkor besuchen möchte, der sollte Zeit mitbringen. Mindestens drei Tage, denn die vielen Tempel und Paläste erstrecken sich über eine Fläche, die dreimal so groß ist wie Köln. Vor etwa 1.000 Jahren, als Europa noch im tiefsten Mittelalter vor sich hin darbte, lebten im Khmer Königreich „Kambuja“ bereits eine Millionen Menschen.

 

Angkor Wat kurz vor Sonnenaufgang
Angkor Wat kurz vor Sonnenaufgang

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Wer zur richtigen Uhrzeit kommt hat die jeweilige Anlage für sich allein
Wer zur richtigen Uhrzeit kommt hat die jeweilige Anlage für sich allein
Überall kann man sich frei mit dem Motorrad bewegen...
Überall kann man sich frei mit dem Motorrad bewegen…

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Unglaublich, was für Ausmaße die Bäume doch annehmen
Unglaublich, was für Ausmaße die Bäume doch annehmen
Mein persönlicher Favorit ist der Tempel Ta Prohm, mit all den von Bäumen überwucherten Gebäuden und Mauern
Mein persönlicher Favorit ist der Tempel Ta Prohm, mit all den von Bäumen überwucherten Gebäuden und Mauern

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Ganz besonders lohnenswert ist die Tempelanlage von Ta Prohm, in der auch der Hollywoodfilm „Tomb Raider“ gedreht wurde. Dieser mystische Ort, der allmählich von den Bäumen des Urwaldes zurück erobert wird, sollte man am besten zum Sonnenaufgang besuchen, wenn man dort noch mutterseelen alleine ist. Ein unvergessliches Erlebnis!

Fünf Tage habe ich in der nahegelegenen Stadt Siem Reap verbracht und bin in dieser Zeit alleine mit meinem Motorrad mehr als 800 Kilometer in der Anlage von Angkor unterwegs gewesen. Wichtig dabei ist es, sich stets anders als die Touristen Massen zu verhalten. Man erfährt schnell, zu welcher Zeit wo der größte Andrang ist und so fährt man zu dieser Zeit am besten an einen anderen Ort. Nur einmal, da sollte man sich ins Getümmel stürzen. Wenn morgens die Sonne aufgeht, dann kann man am West-Eingang von Angkor Wat erleben, wie sich hunderte – in der Hauptsaison sogar tausende Touristen an der berühmtesten Foto-Location versammeln um ihr Foto zu machen. Alleine dieser skurrile Anblick ist den Besuch wert, ehe man dann in die einsame Weitläufigkeit des Areals verschwindet…

Warten auf den Sonnenaufgang... Einen solchen Andrang für ein Foto  habe ich noch nirgendwo sonst auf der Welt erlebt...
Warten auf den Sonnenaufgang… Einen solchen Andrang für ein Foto habe ich noch nirgendwo sonst auf der Welt erlebt…

 

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4 Kommentare

  1. Marco  —  25. April 2014 at 19:36

    Herrlicher Beitrag. Mach doch Lust selber los zu fahren. Ich freue mich schon auf bewegte Bilder.

  2. Gerd Henschel  —  27. April 2014 at 10:51

    Hallo Erik,
    habe jetzt erst gesehen,daß du wieder auf Tour bist.Dolle Sache! Ich weiss nicht,wie oft ich Deine DVD´S schon gesehen habe…Suchtfaktor enorm… Bin sicher,es kommt auf Deinen neuen Trip genug Material für eine neue DVD zusammen.
    Halt die Ohren steif ,Mann und fahr vorsichtig!
    Viele Grüße aus dem Frachtzentrum des Düsseldorfer Flughafens.
    Gerd Henschel
    Leiter Frachtausgabe

  3. Christoph und Luca  —  3. Mai 2014 at 10:40

    Hallo Erik

    Toller und ernster Beitrag!

    Freue mich schon auf die DFD Deiner Reise in diese fremdartige Länder!

    Allzeit genügend Grip!

    Luca und Christoph

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