Ein Fest für die Augen…

Erik Peters / Abenteuer Nordamerika, Reiseberichte / / 5 Kommentare

 

Als „All-American Road“ werden in den USA Straßen bezeichnet, die als solche schon ein lohnenswertes Reiseziel sind.  Der „Scenic Byway 12“ ist eine solche Straße, die auf spektakuläre Art und Weise durch das Herz des Amerikanischen Westens führt. Vom Bryce Canyon kommend bin ich diese Strecke gleich zwei Mal gefahren, nur weil sie mir so unglaublich gut gefallen hat. Außerdem habe ich immer wieder Abzweigungen gewählt, die tiefer in den „Grand Staircase-Escalante“ führen, das größte Naturschutzgebiet der „Lower 48“ – das Kernland der USA. Alleine in diesem so dünn besiedelten Gebiet könnte man problemlos mehrere Wochen verbringen, ohne das einem langweilig werden würde. Die Auswahl an natürlichen Attraktionen ist so groß, dass man gar nicht weiß, was man sich zuerst anschauen soll.

Auf dem Scenic Byway 12
Auf dem Scenic Byway 12

 Was mich in dieser Region besonders fasziniert, ist die Vielzahl der sogenannten „Slot-Canyons“. Diese klammartigen, schmalen Schluchten entstanden im Laufe vieler Jahrtausende durch Wind und das stark strömende Wasser von Sturzfluten – die in weiten Teilen des Westens nach Regenfällen eine große Gefahr darstellen können. Der bekannteste Slot-Canyon dürfte der „Antelope Canyon“ im „Navajo-Nation Reservation“, dem größten Indianerreservat der Vereinigten Staaten sein. Obwohl man hier 31 Dollar bezahlen muss, um sich diese natürliche Wunderwelt anzuschauen, kann ich einen Besuch nur wärmstens empfehlen. Ich habe noch nichts vergleichbares auf der Welt gesehen. Besonders um die Mittagszeit, wenn die Sonne im Zenit steht und die Strahlen in die Felsspalten scheinen, geht von diesem Ort eine magische Anziehungskraft aus.

Um solche Fotos zu machen, muss man die aufrückenden Touristenschaaren rücksichtslos daran hindern, durchs Bild zu laufen. 500.000 Menschen werden jedes Jahr durch diese enge Felsspalte geschleust - trotzdem ein absolutes "Muss" auf jeder Reise durch den Südwesten der USA
Antelope Canyon - Um solche Fotos zu machen, muss man die aufrückenden Touristenschaaren rücksichtslos daran hindern, durchs Bild zu laufen. 500.000 Menschen werden jedes Jahr durch diese enge Felsspalte geschleust. Trotzdem: in meinen Augen ein absolutes "Muss" auf jeder Reise durch den Südwesten der USA

 

Es gibt aber auch noch eine Vielzahl weiterer Slot Canyons. So ist der Zebra Canyon nahe der Stadt Escalante mein persönlicher Favorit. Zum einen weil man keinen Eintritt zahlen muss und man völlig alleine in diesem engen Felsspaltengewirr ist und zum anderen, weil der Weg dorthin mit Schweiß und Blutblasen an den Füßen bezahlt werden muss, wie ich es zuletzt bei der Bundeswehr erlebt habe.

Hierzu muss ich sagen, dass ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe, bei solchen „Ausflügen“ mein Motorrad mit allem Gepäck mutterseelen allein zurück zu lassen. Bis jetzt hatte ich noch kein ungutes Gefühl!!!

Zebra Canyon - nichts für Klaustrophobiker
Zebra Canyon - nichts für Klaustrophobiker

Wenn man sich einmal durch einem solchen, teilweise nur 50 cm breiten und mitunter sehr hohen Slot-Canyon gezwängt hat, dann wird man unweigerlich an den Film „127 Hours“ erinnert. In diesem, auf einer wahren Geschichte beruhenden Film, der unlängst in den Kinos lief und den ich sehr empfehlen kann, wird ein Kletterer bei einer ebensolchen Erkundung eingeklemmt und kommt erst wieder frei, nachdem er sich selbst den Arm mit seinem Taschenmesser abgetrennt hat.

Biegung des Colorado-River am sogenannten "Horseshoe Bend" - auch dieses Bild hat meiner Höhenangst einiges abverlangt...:-)
Biegung des Colorado-River am sogenannten "Horseshoe Bend" - auch dieses Bild hat meiner Höhenangst einiges abverlangt...:-)

 

Traumhafter Zeltplatz nahe des "Alstrom Point" mit Blick auf den Lake Powell. Nur wenige Meter hinter dem Zelt geht es 300 Meter steil den Fels hinab.
Traumhafter Zeltplatz nahe des "Alstrom Point" mit Blick auf den Lake Powell

Und dann war da noch die Schatzsuche am „Burr Trail“…

Mein Freund Panny, der „Krad-Vagabund“, ist auf seiner Reise um die Welt auch durch Utah gekommen. Irgendwann entstand die Idee, einen Schatz für mich zu vergraben (heutzutage nennt man das wohl „Geo-Caching“, irgendeinen verborgenen Gegenstand mittels einer GPS-Koordinate zu finden). Acht Monate lag „der Schatz“ unter einem Baum vergraben und hat darauf gewartet, von mir gefunden zu werden. Gestern, nach einer langen Suche im Unterholz am Rande des Burr Trails in der „Waterfold Pocket“, war es dann endlich soweit.

Gefunden!!!!
Gefunden!!!!
Nach acht Monaten unter der Erde
Nach acht Monaten unter der Erde
Glücklicher Finder...
Glücklicher Finder...

Was Panny für mich vergraben hat, das wird hier nicht verraten. Ich denke, dass ich die Tradition fortführen und den „Schatz“ in ein paar Wochen irgendwo an der Quelle des Colorado-River vergraben werde. Soll ein weiterer Reisender damit glücklich werden. Nähere Einzelheiten dazu, wenn es soweit ist…

So, ich muss wieder los, denn man schaut mich schon ganz komisch an. Ich sitze gerade in einem Subway-Restaurant und nutze das „WIFI-Angebot“ bei einer kleinen Cola schamlos aus. Morgen werde ich mir nochmal ein Zimmer in einem Motel nehmen, da alle Akkus erschöpft sind und meine Bordsteckdose bei meinem Verschleiß nicht mit dem Laden hinterher kommt.

So long,

Erik

5 Kommentare

  1. Eggi  —  24. Juni 2011 at 09:25

    Hi Erik!

    In den Antelope Canyon wurden auch schon massig viele Filme gedreht. Du warst also an einem sehr berühmten Ort! 🙂

    Liebe Grüße aus Lübeck

    Eggi

  2. Magolwes  —  28. Juni 2011 at 17:48

    Du bist ein Teufelskerl!!!

  3. Magolwes  —  28. Juni 2011 at 17:49

    ….und denk an den Helmklauer 😉

  4. Björn Schray  —  20. Juli 2011 at 07:07

    Tach Eric!
    Das hört sich alles sehr gut an!
    Ich bin der andere Siegerländer aus Köln, der mal mit dem Mopped in der Mongolei war. Bin grad mit Famillisch und Wohnmobil in Elternzeit in den USA unterwex. Mein Mädel hat ja versucht, mit deinem ein Treffen hinzubekommen, war damals aber sinnlos. Wenn ich mir aber jetzt deine Seite ansehe, dann müssen wir uns vor kurzem quasi begegnet sein, denn deine roten Linien entsprechen grob unseren grünen und umgekehrt! Sind am Atlantik gestartet und treiben seit Mitte Juni durch Wyoming, Idaho, Nordutah und Colorado. Sind mittlerweile in suedutah in Capitol Reef. Waren dann wohl gleichzeitig in Colorado. Wie auch immer, grossartig isset hier, nich wahr? Wünsche dir weiterhin viel Spaß!
    Antelope ist nach deiner Beschreibung endgueltig gesetzt!
    Gruß Schrayhalz.

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