„Angels Landing“ – oder Schocktherapie für Höhenangstgeplagte

Erik Peters / Abenteuer Nordamerika, Reiseberichte / / 6 Kommentare

Eines vorweg: mich hat selten ein Landstrich so derart begeistert, wie der US-Bundesstaat Utah!

Die Wolkendecke bricht gerade auf, als mich Craig, ein Park-Ranger im Zion Nationalpark, in seinem mächtigen Geländewagen zum „Drop-off-Point“ der heute geplanten Wanderung fährt.  Ich musste improvisieren, denn der geplante Weg durch die sogenannten „Narrows“ ist unpassierbar, da der  Virgin-River für diese Jahreszeit ungewöhnlich viel Wasser führt. Eine Strömungsgeschwindigkeit, die den zulässigen Grenzwert weit überschreitet, verbietet es, diesen spektakulären Teil des „Zion“ zu durchwaten.

Die Angst steht mir ins Gesicht geschrieben, als ich den Berg vor uns sehe und erfahre, dass es jedes Jahr mehrere tödliche Unfälle gibt...
Die Angst steht mir ins Gesicht geschrieben, als ich den Berg vor uns sehe und erfahre, dass es jedes Jahr mehrere tödliche Unfälle gibt...

Während wir uns weiter in Richtung Norden des riesigen Parks bewegen, ist mir noch gar nicht so recht bewusst, auf was für eine Alternative ich mich stattdessen eingelassen habe.  „Angels Landing“ ein Extrem-Wanderweg, der mich an diesem Tag an meine psychischen Grenzen bringen wird. Was nicht viele wissen: ich leide unter einer üblen und mir unerklärlichen Höhenangst.

Als mir die Parkverwaltung diesen „Hike“ empfahl war mir klar, dass es ein paar Stellen geben würde, wo es steil bergab geht. Das es aber so heftig werden würde, damit hätte ich nicht im Traum gerechnet!

Die ersten Meter sind moderat. Entlang des Flusses windet sich der bis dahin gut ausgebaute Weg unermüdlich in die Höhe, bis er irgendwann in 21 Kehren das Felsmassiv emporsteigt und seitlich, völlig ungesichert, mehrere hundert Meter in die dunkle Tiefe des Canyons fällt.

An diesem Stück habe ich noch gut Lachen. Es geht ja nur etwa einhundert Meter senkrecht und ungesichert felsabwärts...
An diesem Stück habe ich noch gut Lachen. Es geht ja nur etwa einhundert Meter senkrecht und ungesichert felsabwärts...
Sollte ich nicht lieber auf dem Motorrad sitzen...
Sollte ich nicht lieber auf dem Motorrad sitzen...
Die ersten noch harmlosen Meter des "Angels landing Trail"
Die ersten noch harmlosen Meter des "Angels landing Trail"

 Würde ich mich selbst nicht mit der Kamera ablenken, so würde ich schon an dieser Hürde scheitern. Als ich nach einigen Kilometern das Hochplateau erreicht habe denke ich, den schlimmsten Abschnitt gemeistert zu haben.

Weit gefehlt, denn dieser liegt genau vor mir. Ein sehr schmaler Grat, über den man mehr oder weniger balancieren muss, um das Ziel „Angels Landing“ zu erreichen. Über eine Stunde sitze ich dort und kämpfe mit meinem inneren Schweinehund und Adrenalinschüben, bevor ich mich mit weichen Knien auf das letzte Teilstück begebe. Obwohl ich kein gläubiger Mensch bin, sollte ich irgendwann mal in die Kirche gehen, denn ich habe wirklich um Beistand von oben gefleht…

Sie haben ihr Ziel erreicht...
Sie haben ihr Ziel erreicht... Was für eine Streckenführung!

Ich habe es tatsächlich geschafft, meine Höhenangst zu überwinden. Im Nachhinein war es natürlich ein Wahnsinns Erlebnis. Allerdings muss ich gestehen, dass ich es für kein Geld der Welt noch einmal machen würde. Ich bin auf dem letzten Stück 1000 Tode gestorben und habe sogar darüber nachgedacht, den Hubschrauber zu rufen.… Ohne Witz! Empfehlen würde ich diese Strecke nur Leuten, die kein Problem damit hätten, sich auf einem Hochhausdach genau an die Kante zu stellen.

Leere Straßen im Zion Nationalpark - Ein hervorragendes Shuttle-System begring die Besucher an die unterschiedlichen Punkte

Den Rest des Tages nehme ich mir noch drei andere Wanderwege vor, die weniger gefährlich sind aber trotzdem alle das Prädikat „atemberaubend“ verdienen. Nach 30 Kilometern zu Fuß durch den Park, beende ich dieses unvergessliche Abenteuer bei einem riesigen Bier, das selten so gut geschmeckt hat, wie heute. Entgegen aller Befürchtungen ist Bier im Mormonenland Utah übrigens überall erhältlich und sogar sehr günstig. Für einen Liter frisch gezapftes Bier im Park bezahlt man umgerechnet weniger als fünf Euro!

Frisch gezapftes Bier, aus 1-Liter-Tonkrügen findest man nicht oft in den USA
Frisch gezapftes Bier, aus 1-Liter-Tonkrügen findest man nicht oft in den USA

 

Vom Zion Nationalpark zum Bryce Canyon National Park

In Utah jagt ein Highlight das nächste. Ich habe noch nicht alle Bilder im Kopf verarbeiten können, als ich heute Morgen von Springdale in Richtung Bryce Canyon aufgebrochen bin. Mit Hilfe des Buches „Utah Byways“ von Toni Huegel, dass ich jedem, der nach Utah reist nur wärmstens empfehlen kann, wähle ich eine andere Route, als die nur 140 Kilometer lange Direktverbindung.

Utah ist ein absoluter Traum
Utah ist ein absoluter Traum
Hierbei hat die Kamera gut was abbekommen...
Hierbei hat die Kamera gut was abbekommen...

 

Stattdessen entscheide ich mich für die sogenannte „Kolob Terrace Road“, eine Nebenstrecke mit Offroad-Anteilen der absoluten Extraklasse, die auf über 3000 Meter durch einige noch nicht geschmolzene Schneefelder führt.  Selten habe ich an einem einzigen Tag solch aufregende  Landschaften in einer derartigen Vielfalt gesehen!

Nach ein paar ersten Bildern im „Bryce Canyon Nationalpark“ sitze ich nun in meinem Zimmer und hoffe auf einen spannenden Sonnenaufgang.

Bryce Canyon
Durch den Bryce Canyon...
... führen spektakuläre Wanderwege
... führen spektakuläre Wanderwege

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Erik

6 Kommentare

  1. Robin  —  19. Juni 2011 at 21:50

    Echt spektakuläre Bilder, ich werd immer neidischer 😉

    P.S. Gibts das „Innenausstattungspaket“ vom ersten Foto auch bei hiesigen Autoherstellern zu buchen? 😀

    Grüße aus dem Sauerland,
    Robin

  2. Katja usm Flecken im Sejerland  —  19. Juni 2011 at 22:27

    Hallo Eric, Deine Bilder sind ja eigentlich alle Klasse, aber die vom Bryce Canyon sind ja wohl ATEMBERAUBEND!!! In Wirklichkeit muß einen ja die Aussicht aus den Schuhen holen!!! Weiterhin viel Spaß und zeig uns weiterhin soooo geile Bilder!
    Liebe Grüße Katja

  3. Ernie Trölf  —  21. Juni 2011 at 23:01

    Sensationelle Fotos!

    Da mir in letzter Zeit selbst die Kombination von Motorrad, Wind und Autobahnbrücke schon zu schaffen macht, werde ich diesen Platz wohl besser nicht bereisen.
    Ich hätte ganz sicher den Helikopter rufen müssen!!
    Respekt!!

  4. Dirk  —  22. Juni 2011 at 21:34

    Respekt!!!

  5. Eggi  —  24. Juni 2011 at 09:19

    Moin Erik!

    Meine Herrn! Ich bin überhaupt kein USA-Fan, aber Deine Bilder machen echt Lust auf ne kleine 2-Monatsreise.

    Liebe Grüße von Ela und mir aus Lübeck

    Achja, und danke für Deinen Gästebuch-Eintrag!! 🙂

  6. alain  —  24. Juni 2011 at 19:42

    hey du“feiger hund“ ;-))) wärst mal öftr aufs dach gegangen dann würde dir das hier beschriebene sicher mehr spass gemacht haben!!!

    wenn du wieder hier bist kann ich dich für dachdeckerarbeiten ohne gerüst einsetzten ;-))))

    soo long mein alter freund tolle fotos hab gehört lemmy gehört jetzt zu deinen guten freunden
    bis bald
    alain

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