Echte Kerle…

Erik Peters / Abenteuer Nordamerika, Reiseberichte / / 7 Kommentare

Dieser Cowboyhut ist keine Verkleidung. Diese Hände sehen aus, als ob sie gut austeilen könnten. Als Dean sich die Handschuhe über seine Pranken streift spuckt er einen letzten Schwall braune Kau-Tabak-Spucke in den trockenen, mit Pferdemist vermischten Staub. Im Hintergrund wiehern Pferde und ein Bulle schnauft aggressiv hinter dicken Eisenstangen, die ihn von der Arena trennen. Er wird gleich den Kürzeren ziehen gegen Dean… Endlich ist es soweit. Etwa 3000 Zuschauer springen begeistert und johlend auf, als Dean, auf seinem stattlichen Quarter-Horse sitzend, zeitgleich mit dem Bullen in die Arena entlassen wird.

Ein unverzichtbares Accessoire auf einem Rodeo-Event...

Dean ist Bull-Wrestler und einer der besten seiner Zunft. Bei diesem gefährlichen Rodeo-Event, auch „Bulldogging“ genannt, reitet der Cowboy im vollen Galopp neben dem Bullen her, springt von seinem Pferd auf das Tier und packt es bei den Hörnern. Mit viel Kraft aber vor allem der richtigen Technik wird der Bulle auf die Seite geworfen.  Sobald alle vier Hufe keinen Bodenkontakt mehr haben, wird die Zeit gestoppt.  Gerade mal sieben Sekunden hat es dieses Mal gedauert.

Den Tieren – und das steht bei Rodeo-Events absolut im Vordergrund – wird kein Leid angetan. Die Einzigen, die humpeln, sind nach diesem Abend die Zweibeiner. Doch das gehört einfach dazu. Für einen Torero, der einen Bullen mit einem Speer oder Säbel tötet und dabei „Frauenkleider“ trägt, hat Dean nur Verachtung übrig.“ Wenn Rinder getötet werden, dann nur für ein gutes Steak…“, so sagt er mir später.

Vorbereiten auf den großen Moment...

 

Das Bull-Wrestling ist nur eine von vielen Disziplinen an diesem Abend. Des Weiteren gibt es noch das klassische Rodeo (Reiter auf wilden Pferden), Bull Riding (Reiter auf wilden Bullen), Team Roping (zwei Reiter müssen mit den Lassos eine Kuh fangen), Barrel Racing (auf Zeit um mehrere Tonnen reiten) und zwei Disziplinen, die sich in den Pausen besonderer Beliebtheit erfreuen.

Fragt in dieser Gegend mal einen kleinen Jungen, was er später einmal werden möchte...

 Zum einen das sogenannte „Mutton Bustin“ , bei dem sich kleine Kinder mit Schutzweste und Helm so lange wie möglich auf einem Hammel halten müssen – großartig! Außerdem noch „Catch the Cow“ – auf der einen Seite der Arena stehen drei Kühe, denen bunte Bänder an die Hörner gebunden wurden und auf der anderen Seite etwa 50 Kinder um die zehn Jahre alt, die auf Kommando losrennen dürfen, um eines der Bänder zu ergattern. Selten habe ich Kinder so stolz strahlen sehen, wie die kleinen Gewinner dieser Wettbewerbe.

Ich habe mich köstlich amüsiert und möchte mich bei den Veranstaltern bedanken, die mir auf meine Anfrage einen Blick hinter die Kulissen gewährten, mir die unglaublich komfortable Unterkunft im „Stanley Hotel“ (Stephen Kings Inspiration für sein Buch „Shining“) besorgten und so einen unvergesslichen Abend schenkten.

„Miss Rodeo Colorado“ – eine Auszeichnung, die im Westen der USA einen sehr hohen Stellenwert besitzt. Wer diesen Titel innehat, muss Reiten können wie der Teufel und dazu auch noch gut aussehen.

 

Wer mein Buch "Oman-Island" gelesen hat, der weiß, wie froh ich war, endlich einen Elch zu sehen... 🙂
Durch den "Rocky Mountains Nationalpark" in Richtung Wyoming

Durch die Rocky Mountains ging es tags darauf in den Yellowstone Nationalpark, wo ich gestern Abend angekommen bin.  In dem größten und ältesten Nationalpark (1872!) der USA werde ich wohl zwei Tage bleiben, bevor es weiter in Richtung Seattle geht. Auf den knapp 2000 Kilometern werde ich erstmals auf einer Reise meine Landkarte und das GPS in meine Koffer verbannen und mich treiben lassen. Einzig die Empfehlungen der Einheimischen und vor allem Zufälle sollen mir den Weg zeigen. Nach vier ziemlich durchgeplanten Wochen in Utah und Colorado, wo jeden Tag ein anderes Highlight auf mich wartete, freue ich mich jetzt darauf, NICHT zu wissen, wohin es mich am nächsten Tag verschlagen wird.

Vorbei an dem "Grand Teton" in Richtung Yellowstone

Erstmal macht sich dieser Tage übrigens auch das Gefühl breit, dass diese Reise in wenigen Wochen enden wird. Mit dem berühmten weinenden und lachenden Auge sehe ich diesem Moment entgegen. Neben den vielen persönlichen Aspekten freue ich mich besonders darauf, mich nach meiner Rückkehr in die Arbeit zu stürzen. Eine neue Multivisions-Show soll entstehen (Anfragen diesbezüglich für das erste Quartal 2012 können ab sofort an mich gestellt werden) und ich freue mich darauf, meine Geschichte zu Papier zu bringen. Was dieses Mal aber die größte Herausforderung für mich werden wird sind die über 100 Stunden Filmaterial, die bislang zusammengekommen sind. Mich reizt die Herausforderung, daraus einen spannenden und vor allem auch unterhaltsamenFilm zu machen, der meine Handschrift tragen soll…

7 Kommentare

  1. Eggi  —  20. Juli 2011 at 13:27

    Hej Erik!

    Ja bitte!! Einen Film!!!!

    Das ist eine großartige Idee, die leider nur viel zu selten durchgezogen wird.
    Also meine Frau Ela und ich würden Dir glatt ne DVD abkaufen.

    25 Euro? 😉

    ciao aus Lübeck

    Eggi

  2. oke  —  21. Juli 2011 at 14:21

    Moin Erik,

    noch hast du die Flime nicht Zuhause, habe gehört das Filmmaterial schon mal verloren geht.

    Gruß Oke

  3. Carsten  —  23. Juli 2011 at 01:01

    @oke

    Böse!

    @Erik, geniesse die letzten Wochen. Es gibt noch vieles zu sehen. Auf eine Multivisions-Show freut sich der gesamte F.A.T. Stammtisch Duisburg. Gerne wird bei einem Bier über den Oman – Island Vortrag gesprochen. Vielleicht magst Du ja auch mit Deinem neuen Vortrag vorbeischauen.

    Hau rein und habe noch ein paar tolle Erlebnisse!!!

  4. Flo  —  27. Juli 2011 at 14:40

    Gude Erik,
    toller Plan, sich ohne Karte und GPS treiben zu lassen.
    Zu Deinem Filmmaterial / Fotomaterial – mich würden auch alltägliche und banale Dinge interessieren, die auf so einer Reise aber doch anders sind.
    Zum Beispiel:
    Erik beim Kochen.
    Erik beim Wäsche waschen – kommt vielleicht vor 😉
    Erik beim technischen Check der Ténéré
    ….
    Weiter gute Fahrt, bleib gesund,
    Flo

  5. Carsten (Schraeuble)  —  29. Juli 2011 at 15:48

    Hej Erik,
    wurde mal wieder Zeit bei dir zu schnüffeln, was dir alles widerfahren ist. Hut und Grenzenlos, das nächste mal komme ich mit.
    Alles Länder die noch fällig sind bei mir.
    Immer wieder Begeisterung die man durch dein Lesen erfährst.
    Wenn dein Ding fertig ist, dann kommste ja wohl nach Kiel. 😉

    Viele Grüße aus Kiel
    Carsten

  6. Konrad  —  30. Juli 2011 at 22:02

    Grüße aus der Ukraine!
    Was ist los Bruder?
    Ich schaffe es in 217 Stunden durch Russland zu fahren und Du schaffst es nicht mehr als einen Blogbeitrag pro Woche zu schreiben?

    Keep smiling …

  7. Andreas  —  24. April 2012 at 00:39

    Der DVD-Reisebericht über Nordamerika ist erste Sahne. Ich freue mich schon auf Teil 2. Gute Zeit bis dahin in Canada!

    Gruß
    Andreas

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