Die durchgenudeltsten Betten Mexikos

Erik Peters / Abenteuer Nordamerika, Reiseberichte / / 5 Kommentare

Ich bin für zwei Tage alleine unterwegs. Da Henning den Großraum Mexiko-City  meiden und nicht zum Vulkan“ Popocatepetl“ mitkommen wollte, haben sich unsere Wege kurzzeitig getrennt.

 
 

 

Siesta, Siesta Mexicana...

 

 

Nur wenige Kilometer verbleiben, bevor ich das rauchende Wahrzeichen des Landes erreiche. Die Landschaft ist sandiger geworden. Kakteen noch und noch. Eine bedrohlich schwarze Wolkenwand zieht am Himmel vor mir auf. Ein Geruch von Regen hängt bleischwer in der Luft. Da man in den letzten drei Tagen die Uhr nach den zu später Stunde einsetzenden, sintflutartigen Wolkenbrüchen stellen konnte, beschließe ich die Weiterfahrt auf morgen zu verschieben. Doch wo soll man hin, wenn man in den Außenbezirken der größten Stadt der Welt unterwegs ist – in einer üblen Gegend, über die sich die Autoren meines Reiseführers ausschweigen und einen weiten Bogen gemacht zu haben scheinen. Zelten? Eine scheiß Idee, da hier vermutlich schon der ein oder andere wegen Nichtigkeiten umgelegt wurde. Weiterfahren? Auch nicht gut! Während ich noch überlege, fahre ich an einem runtergekommenen „Hotel“ vorbei, das angestrichen ist, wie ein in die Jahre gekommener Puff. Mit verblichenen Herzen und dem verschwenderischen Umgang des Wortes „Amor“ macht es rot blinkend auf sich aufmerksam. „Bingo!“, denke ich, reiße den Lenker rum und wende unter einem halsbrecherischen Manöver auf der autobahnähnlichen Straße. Ich habe endlich eines der berühmt berüchtigten Stundenhotels gefunden, die bei Mexikoreisenden schon beinahe legendär sind. Einen Ort, an den man eigentlich nicht zum Schlafen kommt…

Hinter dem Vorhang Nr. 26 habe ich Quartier bezogen
Hinter dem Vorhang Nr. 26 habe ich Quartier bezogen

Das Besondere an diesen „Unterkünften“, deren Nutzungszeit man von drei auf 24 Stunden verlängern kann, ist deren Funktionalität und Anonymität (für Motorradreisende nahezu ideal). Die Zimmer, in denen es nach Patschuli und Latex riecht, haben einen eigenen abgetrennten Parkplatz und sind unschlagbar günstig. Es gibt einen Fernseher mit „Spielfilmkanal“, eine für mehrere Personen ausgelegte Dusche, halbwegs fleckfreie Betten und – zu allem Überfluss – dünne Wände.

Wer mit weniger als drei Stunden Schlaf auskommt, kommt billiger davon :-)
Wer mit weniger als drei Stunden Schlaf auskommt, kommt billiger davon 🙂
Dieses Bett hat schon ne Menge durchgemacht...
Dieses Bett hat schon ne Menge durchgemacht…

Seit etwa einer halben Stunde habe ich Nachbarn, die sich einen Dreck um andere Gäste scheren und die nun schon bestimmt 100 Mal „!Si!, Ja! geschrienen haben…

Als ich eben die Straße im Regen zu einem Liquor-Store überquert habe, um mich für den Abend einzudecken, wurde ich von einem jungen Schnapsverkäufer, der seine Hose ohne Gürtel und eine verkehrt herum sitzende Basecap trägt, in Gang-Manier begrüßt (Faust auf Faust von oben): „Hey Gringo, was geht? Hast Dir da drüben ja ne nette Absteige ausgesucht! Und, wie gefallen Dir die mexikanischen Weiber?“ , fragt er. Ich schweige, als ich meine Einkäufe zur Kasse trage und dort abstelle. „Wow“, lacht er mit Blick auf die Ware, „gleich zwei hast Du Dir geangelt…“

Im „Spielfilmkanal“ versucht mich derzeit eine gewisse  „Olivia Sanchez“ mit allen möglichen Kunststückchen auf andere Gedanken zu bringen. Vergeblich! Mein Kopf ist schon wieder mit dem Motorrad unterwegs…

5 Kommentare

  1. Alex  —  18. Mai 2011 at 09:01

    Das erste Bild mit dem Mexikaner find ich ja mal wieder richtig geil… hab’s gleich mal als Desktophintergrund eingerichtet 😉

  2. Konrad  —  18. Mai 2011 at 13:42

    Ah was!
    Das zweite Bild rockt doch viel mehr und ab sofort mein Desktophintergrund 😉

    Weiter machen …

  3. Ernie Trölf  —  20. Mai 2011 at 17:30

    Immer wieder super, deine Artikel und Bilder !!
    Auch freut es mich sehr, dass deine Videokamera noch funktioniert. – Hätte ich ja nicht drauf gewettet. ;o)

    Halte uns weiter so unterhaltsam auf dem Laufenden!
    Grüße!

  4. Panny  —  23. Mai 2011 at 05:25

    Wie oft mußtest Du auf das Bett springen, bis Dir das Foto gelang???
    Und erzähl uns nicht, Du würdest den „Spielfilmsender“ gucken und dabei ans Motorradfahren denken. Das ist bestimmt gelogen:-)

    Gruß aus Kolumbien, wo es diese feinen Etablissements auch noch gibt…

    Panny
    http://www.krad-vagabunden.de

  5. Eggi  —  2. Juni 2011 at 18:59

    Erik in nem Puff!

    Das ich das noch erleben darf!!! .-)

    Grüße aus Lübeck

    Eggi
    mit XT 660 Z Tenere

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