Der Rausch des Goldes

Erik Peters / Abenteuer Nordamerika, Reiseberichte / / 3 Comments / Like this

Den ganzen Nachmittag wühlen wir nun schon im Dreck. Die Hände sind aufgequollen, die Fingernägel schwarz, der Rücken schmerzt und die vielen Mückenstiche haben wir bereits vor Stunden aufgehört zu zählen. Angetrieben von der nackten Gier, graben wir das Erdreich um und stellen uns bei jeder Schaufel, die in unsere Goldpfannen wandert vor, wie es sich wohl anfühlen würde, käme auch plötzlich ein Klumpen des Edelmetalls zum Vorschein, wie ihn Jack Wade vor einigen Jahren hier, ganz in der Nähe fand. Wir durften ihn in der Ortschaft Tok in Händen halten (nicht Jack Wade, der ist tot). Stolze zwei Kilo wiegt dieses riesige Nugget, das 14. schwerste, das jemals gefunden wurde. Als meine Lippen diesen Klumpen vor ein paar Tagen instinktiv berührten war mir sofort klar, dass ich auch mein Glück versuchen würde. Eine Viertelmillionen Dollar, seit mindestens ebenso vielen Jahren versteckt im Dreck – was für ein Gedanke! Gesagt, getan – lächerliche 20 Dollar für die rudimentäre Grundausstattung des modernen Desperados wechseln den Besitzer und Alain und ich machen uns auf den Weg zu jenem Ort am Klondike, an dem damals die Funde gemacht wurden, die den „Großen Goldrausch“ auslösten und über 100.000 Menschen in den Yukon lockten.

Goldklumpen im Größenvergleich zu einer Dollarmünze – alles was beim Fallen in eine Goldpfanne ein „Pling“ Geräusch macht, wird als „Nugget“ bezeichnet

 

Wir haben alte Karten gewälzt und uns von richtigen Profis (ein paar Russen, die auf ihrem Claim ein Schweine Geld aus der Erde buddeln) in die Geheimnisse des Schürfens einweihen lassen. Ob wir nun Erfolg hatten, dass sei an dieser Stelle nicht verraten.:-)

 

Wertvolle Tipps von echten Experten

 

 

 

 

 

 

 

 

Profis zeigen uns wie man es richtig macht. Bedingt durch den gestiegenen Goldpreis zieht es heute wieder viele Glücksritter zurück in die Claims

Wir bleiben ein paar Tage in Dawson City, bislang einer der spannendsten Städte auf dieser Reise. Wir gehen ins „Diamond Tooth Gerties“, Kanadas ältestes Casino mit einer sehenswerten Show aus alten Tagen, ich werde Mitglied im „Toe-Club“, indem ich einen Drink mit menschlichem Zeh darin trinke und beinahe für ein Desaster sorge und wir verbringen viel Zeit in alten verruchten Bars, denen legendäre Prostituierte wie etwa „Bombay Peggy“ ihren Namen gaben. (PS: das billigste Bier gibt es im „Midnight Sun“…)

Elisabeth – „Toe Captain“ im Downtown Saloon – hat etwas ziemlich ekliges mit mir gemacht, bei dem ein menschliches Leichenteil eine große Rolle spielte…

In Dawson City hat sich seit dem großen Goldrausch nicht allzuviel verändert

 

Hoch das Beinchen…

 

 

Die Show in „Diamond Tooth Gerties Gambling Hall“ darf man sich nicht entgehen lassen

Als wir Dawson City nach ein paar Tagen und einer richtig geilen Zeit wieder verlassen, ist uns beiden danach, ein paar Tage ordentlich Meter zu machen. Nach all den Drinks und der Schufterei wollen wir einfach nur Motorrad fahren, also geben wir Gas. Mit einem Abstecher auf den Dempster Highway fahren wir in fünf Tagen rund 4000 Kilometer. Über den Campell Highway, eine Schotterpiste, die unter dem vielen Regen der letzten Monate extrem gelitten hat, erreichen wir wieder den Ort Watson Lake. Vorbei am berühmten „Sign Post Forrest“ führt der Alaska Highway weiter durch Britisch Columbia bis Dawson Creek, von wo wir über kleinere Straßen bis nach Jasper in der Provinz Alberta brettern.

Besonders hervorheben möchte ich den Abschnitt, den wir über den Alaska Highway von Watson Lake bis Fort Nelson gefahren sind. Auf noch keinem anderen Teil dieser Reise haben wir mehr Tiere gesehen. Die 26 Bären, zwei Wölfe, hunderte Bisons, Karibus, Elche, Hirsche, Stachelschweine, Kojoten, ect. wären es sogar Wert gewesen, eine Gebühr für dieses Stück zu verlangen.

 

eat my dust…

Wie schon zuhause? Wer ist bitteschön so bescheuert und schleppt ein Ortsschild mit auf Reisen???

 

Eine von vielen Bisonherden im Norden von British Columbia

 

„Premium“ Straßenbelag im Yukon – „Chip Sealed“ nennt sich die Scheiße die jeden Reifen doppelt so schnell altern lässt

 

Mittlerweile sind wir also in Jasper angekommen. Hier im Herzstück der Kanadischen Rocky Mountains wollen wir ein Paar Tage bleiben, bevor es weiter geht. Die weitere Route wird sich übrigens komplett ändern. Manchmal sind spontan getroffene Entscheidungen einfach die besten. Was wir ausfallen lassen und wo lang der Weg stattdessen führt, das erzähle ich im nächsten Blog…

 

Diese zwei in die USA ausgewanderten Polen sind EIN Grund, warum wir unsere alten Pläne über den Haufen werfen…