Vamos Cuba!

Erik Peters / Kuba / / 5 Kommentare

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Ich möchte versuchen, in den nächsten Wochen ein paar meiner Erlebnisse hier zu teilen. Da es in Kuba alles andere als einfach ist, einen Blog zu pflegen und ich viel Zeit mit den Arbeiten an einem neuen Film verbringen werde, wird dies leider nicht in regelmäßigen Abständen möglich sein.


 

Das kann es noch nicht gewesen sein, war mein Gedanke, als ich Anfang des Jahres in Varadero den Flieger zurück in Richtung Deutschland betrat. Hinter mir lag ein zweiwöchiger Urlaub auf Kuba, in denen ich nebenbei noch in Erfahrung bringen wollte, was in dem sozialistischen Land in Sachen Motorradreise möglich ist und was nicht. Zu diesem Zeitpunkt hielt ich es noch für nahezu ausgeschlossen, Kuba mit dem eigenen Motorrad bereisen zu können. Ich war neugierig, ob man ein Motorrad leihen, kaufen oder mit einem Kubaner zusammen die Insel erkunden könne. Doch all diese Optionen erwiesen sich als ausgesprochen schwierig umzusetzen: ein Leihmotorrad (es gibt nur eine Handvoll) kostet Unsummen pro Tag und fast alle werden nur in Verbindung mit einer gebuchten Tour vermutet, die zusätzlich sehr teuer ist. Mit gebrauchten landestypischen Motorrädern (überwiegend MZ – naja…) verhält es sich nicht besser. Selbst eine gut 30 Jahre alte MZ, mit sechsstelligen Kilometerzahlen auf dem Buckel, wird in Kuba noch mit bis zu 10.000 Euro gehandelt und es ist streng verboten, das Gefährt an einen Ausländer zu verleihen. Gegen eine entsprechende „Gebühr“ finden sich zwar Leute, die bereit sind dieses Risiko einzugehen aber mir war nicht wohl bei dem Gedanken, dass derjenige, der mir helfen möchte, Kopf und Kragen riskiert nur damit ich Motorrad fahren kann.

 

Ich habe also unzählige Leute und Behörden vor Ort kontaktiert, um zu erfahren, ob es nicht vielleicht doch möglich ist, ein Fahrzeug in das sozialistische Land zu importieren. Bisher wusste ich nur, dass dies möglich sei, wenn das Fahrzeug an Bord einer Jacht ins Land kommt. „Cuco“ der Zollchef des Flughafens in Varadero sagte dann einen Satz zu mir, der Hoffnung in mir weckte: „En Cuba todo es possible“ – In Kuba sei alles möglich…

Mit der Motivation bald zurückzukehren stieg ich also in den Flieger zurück nach Deutschland.

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Ready to Take Off – fertig verpackte Motorrad
Letzte Reisevorbereitungen...
Letzte Reisevorbereitungen…

Import des Motorrades

Es folgten Wochen der Recherche und des Kontakte Knüpfens. Knapp drei Monate später war es dann tatsächlich soweit: ich konnte mein Motorrad verpacken und es wurde von Düsseldorf per Luftfracht nach Varadero verfrachtet. Dank des Knowhows der Firma Yusen Logistics (Danke Mehmet und Carsten), der Hilfe eines Freundes aus Berlin, der gute Kontakte nach Kuba pflegt (Danke Torsten für Deinen unglaublichen Einsatz!) und nicht zuletzt der Unterstützung meines neugewonnenen Freundes Osvaldo vor Ort habe ich es nun tatsächlich geschafft, meine Yamaha XT660Z auf Fidels Straßen zu bringen -. Samt kubanischem Nummernschild, offizieller Zulassung und allem was dazugehört.

Mein neues Nummernschild - man könnte meinen ich sei immer noch in Köln...:-)
Mein neues Nummernschild – man könnte meinen ich sei immer noch in Köln…:-)

 

Die ersten Kilometer

Ich war außer mir vor Freude, als ich die ersten Kilometer auf kubanischen Straßen fuhr! Dieses aufregende Land mit dem eigenen Fahrzeug zu bereisen, von niemandem abhängig zu sein und sich frei bewegen zu können, wohin man will, das ist ein Gefühl, wie ich es selten irgendwo anders so genossen habe wie hier auf Kuba. Ich kann mir momentan nichts Schöneres vorstellen, als dieses Land mit ausreichend Zeit im Gepäck zu bereisen.

 

Zu Gast bei den „Harlistas Cubanos“

Mein erster Weg führte mich in die Hauptstadt Havanna. Mein Plan war es, dort Kontakt mit der kubanischen Motorradszene aufzunehmen. Von anderen Reisen weiß ich, dass diejenigen, die die selbe Leidenschaft mit einem teilen, am besten weiterhelfen können. Das Einzige, was ich zu diesem Zeitpunkt hatte war der Name des Präsidenten der „Harlistas Cubanos“ – einem großen Motorrad Club kubanischer Harley Davidson Fahrer, die sich jeden Samstag am Malecon, der Uferpromenade Havannas treffen. Also nichts wie hin.

Wie es der Zufall so will, habe ich gleich am ersten Abend Luis Enrique – den Präsidenten – kennengelernt. Er bot mir sofort an, die nächsten drei Tage in seinem Haus im Stadtteil Vedado zu verbringen (übrigens nur wenige Meter neben dem streng bewachten Privathaus von Fidel Castro gelegen). Dort habe ich viele Stunden in seiner Werkstatt verbracht, die einem Museum antiker Fahrzeuge gleicht und gleichzeitig viele seiner Clubkameradenkennengelernt – u.a. auch Ernesto, den trinkfesten Sohn des legendären Revolutionärs Che Guevarra.

Luis Enrique - der Präsident der "Harlistas Cubanos" in Havanna
Luis Enrique – der Präsident der „Harlistas Cubanos“ in Havanna

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Was für eine Sammlung! Luis nennt u.a. eine der ersten Sportster sowie die letzte Harley, die vor der Revolution nach Kuba importiert wurde sein Eigen.
Was für eine Sammlung! Luis nennt u.a. eine der ersten Sportster sowie die letzte Harley, die vor der Revolution nach Kuba importiert wurde sein Eigen.

Mit Hilfe der Harlistas, die sämtliche Straßen der Insel wie ihre Westentasche kennen, haben wir die perfekte Route für die nächsten Wochen ausgearbeitet. Man hat mir sogar ein Handy mit dutzenden Telefonnummern mit auf den Weg gegeben, sowie das Versprechen, dass egal wo ich auch welches Problem haben würde, die „richtigen Leute“ sich darum kümmern.

 

Selten habe ich irgendwo einen solch starken Zusammenhalt und eine solch brennende Leidenschaft fürs Motorradfahren erlebt, wie bei den Jungs hier in Havanna. Es ist eine große Familie, in der noch die Werte großgeschrieben werden, die einen Motorradclub in meinen Augen ausmachen sollten. Hier geht es nicht darum, krumme Geschäfte zu machen, Reviere zu verteidigen oder einen möglichst bösen Ruf zu verteidigen. Hier dreht sich alles um die gemeinsame Leidenschaft Motorrad zu fahren und JEDES Mitglied hat auch – anders als in Deutschland – einen Führerschein…

Sehnsuchtsort "Malecon" - die Uferpromenade Havannas
Sehnsuchtsort „Malecon“ – die Uferpromenade Havannas

Von Havanna aus werde ich nun bestens unterstützt weiter in den Westen der Insel aufbrechen, bevor ich mich in aller Ruhe vom westlichsten Punkt des Landes zum östlichsten fahren werde.

VIVA CUBA!

 

 

 

 

5 Kommentare

  1. Juergen Strenger  —  20. Juni 2016 at 19:56

    Ein Traum, mit dem Motorrad durch Kuba…
    Was hat denn die Verschiffung und Zulassung dort gekostet, und darfst/mußt Du dein Bike später auch wieder mit nach Hause nehmen?

    • Erik Peters  —  18. Juli 2016 at 15:57

      Hallo Jürgen,
      der Motorradtransport kostet um die 3.000 Euro hin u. zurück. Genaueres kann ich erst nach Rückkehr sagen. Die Ausführt des Bikes ist aber zwingend vorgeschrieben. Die Zulassung kostet inklusive Nummernschild und Fahrzeugscheins um die 40 Euro.

    • Erik Peters  —  18. Juli 2016 at 15:59

      Ich nochmal: Es handelt sich übrigens um einen Lufttransport. Von einem Seetransport würde ich nach Rücksprache mit dem kubanischen Zoll dringend abraten, denn dann kann die EInfuhr Monate dauern.

  2. Sabrina Hömberg  —  1. Januar 2017 at 21:15

    Hallo Jürgen,

    danke für den Bericht, der mir sehr weiter hilft. Ich reise im Februar nach Kuba und suche schon verzweifelt nach einem Verleih auf Kuba, denn es war eine Idee, die Insel mit dem Bike zu entdecken.
    So wie ich das lese, ist es also eher aussichtslos dort nach einem Leihmotorrad zu suchen, oder?
    Oder verleihen die Harlistas z.B auch bei Nachfrage.
    Freue mich über jeden Tipp.

    • Erik Peters  —  16. Januar 2017 at 05:23

      Hallo Jürgen,

      es ist in der Tat sehr schwer, auf Kuba ein Motorrad zu bekommen. Wenn Du einen findest, der eine Harley verleiht, dann zu astronomischen Preisen. Ich denke auch nicht, dass sich daran so schnell was ändern wird.

      Beste Grüße
      Erik

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