Südostasien

Winterflucht – drei Monate unterwegs in Thailand, Laos und Kambodscha

Hier gibt es die Fotos zu Südostasien:

 

Die kalte Jahreszeit endet für mich in diesem Jahr früher als sonst. Eben bin ich noch durch den Schneematsch in meiner deprimierend grauen Heimat Köln gestapft und jetzt, rund 14 Stunden später stehe ich mit pochendem Herzen vor der Tür des Flughafens in Bangkok. Als diese sich öffnet und mir ein Schwall tropisch heißer Luft entgegen schlägt, ist er weg. Mit einem Schlag. Mein Winterblues. Das Gefühl, zu wissen, dass ich ab jetzt für lange Zeit jeden Tag auf meinem Motorrad sitzen und durch exotische Länder fahren werde, lässt sich kaum in Worte fassen.

Doch noch ist es nicht so weit, denn ich habe die Rechnung ohne die thailändische Bürokratie gemacht. Meine 1200er Super Ténéré und Teile der Ausrüstung habe ich erst wenige Tage zuvor per Luftfracht nach Bangkok transportiert. Jetzt wo ich alles in Empfang nehmen möchte stellt sich heraus, dass mein Visum falsch ausgestellt wurde und die Behörden stolze 140% des Fahrzeugneuwertes als Einfuhrzoll verlangt. Eine Wahnsinnssumme von knapp 20.000 Euro. Da kann einem schnell der Spaß vergehen.

Vier nervenaufreibende Tage lang fahre ich mit dem Taxi von einer Behörde zur nächsten. Dabei putze ich unzählige Klinken und fülle noch mehr Formulare aus. Als ich nervlich schon fast völlig am Ende bin, wird das fehlerhafte Visum dann noch korrigiert. Der bürokratische Irrsinn hat endlich ein Ende. Ich nehme mir an diesem Tag vor, mich nie wieder über die Arbeitsweise deutscher Beamter zu beklagen.

Ich habe es nun wahnsinnig eilig, da ich in gerade mal zwei Tagen eine Verabredung mit meiner Freundin auf einer Insel im Süden des Landes habe, zu der ich unter keinen Umständen zu spät kommen möchte. Ich kämpfe mich durch den chaotischen Hauptstadtverkehr und fahre über 700 Kilometer in einem Rutsch bis in die Stadt Surathani. Von dort nehme ich eine altersschwache Fähre, die mich über den türkisblauen Golf von Thailand auf die Insel Koh Phanghan hinüber schippert.

Der Hauptgrund warum die Touristen seit Jahrzehnten den Weg auf die Insel finden ist neben dem entspannten Hippie-Flair vor allem die Vielzahl an Traumstränden die noch immer ein Zauber ursprünglicher Schönheit umweht. Da es meiner Freundin aus beruflichen Gründen leider nicht möglich ist, mich auf dieser Reise zu begleiten, wollen wir hier zumindest noch eine paar romantische Tage miteinander verbringen, bevor sich unsere Wege für eine ganze Weile trennen werden.

Nach unserem „Urlaub“ bin ich wieder alleine unterwegs. Anders als auf dem Hinweg nehme ich mir für die Strecke zurück ordentlich viel Zeit. Mit dem ständigen Duft des Meeres in der Nase fahre ich entlang der palmengesäumten Golfküste gen Norden. Südlich von Bangkok biege ich schließlich in Landesinnere ab. Mein Ziel ist die Kleinstadt Kanchanaburi.

Der Film „Die Brücke am Kwaii“ und nicht zuletzt die Melodie des River Kwaii Marsches, den Leute meines Jahrgangs dank einer alten Fernsehwerbung bis heute mit einem Kräuterlikör assoziieren, machte das Wahrzeichen der Stadt Kanchanaburi berühmt. Die schwarze Stahlbrücke, die sich über den Kwaii-Fluss spannt, symbolisiert wie kein anderes Bauwerk das Grauen des Zweiten Weltkriegs im südostasiatischen Raum. Beim Bau der sogenannten „Todesbahn“, die als Nachschubroute für den geplanten Angriff der Japaner auf Indien dienen sollte, ließen über 100.000 Kriegsgefangene ihr Leben. Noch immer erinnert eine riesige Kriegsgräberstätte an die dunkle Zeit.

Wie überall im Land ist es auch in Kanchanaburi problemlos möglich, ohne Vorabreservierung eine tolle Unterkunft für kleines Geld zu finden. Das riesige Angebot an preisgünstigen Übernachtungsmöglichkeiten, die teilweise unter fünf Euro pro Nacht kosten ist neben dem guten Wetter, der entspannten Art des Reisens und dem fantastischen Essen der Hauptgrund dafür, dass Thailand unter Backpackern als das weltweit beliebteste Reiseziel gehandelt wird. Hier kann man selbst mit dem schmalsten Budget das Gefühl genießen, sich etwas leisten zu können. Thailand ist einfach ein unschlagbar günstiges Reiseland, in dem man für wenig Geld unglaublich viel geboten bekommt.

Parallel zur burmesischen Grenze fahre ich weiter an den Sangkhla Buri See, der u. a. für seine schwimmenden Dörfer bekannt ist. Nachdem ich mich mit Händen und Füßen durchgefragt habe, finde ich dort am Ufer das perfekte Quartier für die Nacht: ein riesiges Hausboot das ich für gerade mal 10 Euro ganz für mich alleine habe. In Badehose beende ich den Tag bei Temperaturen um die 30 Grad. Als ich später unter meinem Moskitonetz liege und mich die Geckos in den Schlaf bellen, muss ich kurz an meine Heimat denken, wo Schneematsch zur selben Zeit den Berufsverkehr lahmlegt. Der Gedanke daran kommt mir unwirklich vor und der übliche Alltag in Köln ist in diesem Moment unendlich weit weg. Dankbar und zufrieden falle ich irgendwann in einen tiefen Schlaf.

Über gut zu befahrende Dschungelpisten geht es am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe durch eine der am dünnsten besiedelten Regionen des Landes in nordöstliche Richtung. Anders als auf den bisherigen Straßen, wo ich mich stets auf ein perfekt ausgebautes Tankstellennetz verlassen konnte, muss ich hier die Tanknadel im Auge behalten. Ich mache schließlich an einer kleinen Dschungeltankstelle halt, wo mir Sprit unbekannter Oktanzahl aus über einem Dutzend Plastikflaschen in den Tank gefüllt wird.

Am späten Nachmittag erreiche ich in der Zentralebene Thailands die Provinz Sukhothai. Die gleichnamige einstige Hauptstadt des ehemaligen Königreiches Siam wird auch als die „Wiege Thailands“ bezeichnet. Hier entstanden die wesentlichen Grundlagen der thailändischen Kultur sowie der Staats- und Gesellschaftsordnung. Der sogenannte „Historical Park“, wo es eine Vielzahl alter Gebäude und Festungswälle zu bestaunen gibt vermittelt einen guten Eindruck vom Glanz und der Größe des einstigen Königreiches.

Rund 300 Kilometer trennen mich jetzt noch von meinem nächsten Ziel. Weit entfernt von der Küste, hat es Chiang Mai auch ohne Traumstrände geschafft, zu den beliebtesten Reisezielen Thailands zu zählen. Im Vergleich zu Bangkok kommt die zweitgrößte Stadt des Landes mit ihren 135.000 Einwohnern geradezu wie ein Provinznest daher. Der schönste Teil Chiang Mais ist zweifelsohne die Altstadt. Alleine dort liegen so viele sehenswerte Tempel, dass es ein beinahe aussichtsloses Unterfangen wäre, sich alle anschauen zu wollen.

Man kann Chiang Mai auch als die Motorradreisehauptstadt Südostasiens bezeichnen. Die legendären Strecken im Norden Thailands locken unzählige Biker an. Da nur die wenigsten mit dem eigenen Motorrad unterwegs sind, hat sich in der Stadt eine Vielzahl von Unternehmen etabliert, bei denen man alles mieten kann, was das Biker Herz begehrt. Vom kleinen Crosser bis zur großen Harley. Den besten Ruf genießt „Mr. Pop“, wie der sympathische Spaßvogel kurz genannt wird, der alleine rund 900 Motorräder im Angebot hat.

Die wichtigste Anlaufstelle für Motorradfahrer ist die Biker-Kneipe “Riders Corner”. Nirgendwo sonst bekommt man bessere Informationen rund ums Reisen durch Thailands Norden aus erster Hand.

Die wohl bekannteste Motorradstrecke Südostasiens wartet nun auf mich. Der „Mae Hong Son Loop“ Ein knapp 600 Kilometer langer Rundkurs durch den Nordwesten Thailands, dessen Streckenführung ihres Gleichen sucht. Man hat auf dieser grandiosen Strecke die ganze Zeit über das Gefühl, auf einer Straße unterwegs zu sein, die nur für Motorradfahrer gebaut wurde.

Kurve um Kurve folge ich in den nächsten Tagen dem legendären „Loop“. Ich mache Halt in den Ortschaften Pai und Ban Rak Thai und fahre hinauf auf den 2565 Meter hohen Doi Inthanon – übrigens der einzige Ort im Land, wo die Einheimischen mit viel Glück die Chance haben, ab und an mal eine Schneeflocke zu sehen.

Wenn man vom höchsten Punkt Thailands hinab auf die dichten Wälder blickt, dann ist es kaum vorstellbar, dass der Waldbestand im gesamten Land in den letzten 100 Jahren um bis zu 70% drastisch zurückgegangen ist. Mit den kostbaren Edelhölzern wie Teak, Mahagoni oder Bankirai verschwanden auch viele wilde Tiere. Lag beispielsweise der Bestand an Elefanten um das Jahr 1900 noch bei rund 100.000 wild lebenden Tieren, so sind davon bis heute gerade mal 3.000 übrig geblieben. Dazu kommen nochmal etwa genauso viele, die von Menschen gehalten werden. Oftmals geschundene Kreaturen, die als Bettel-Elefanten in den Großstädten oder im Tourismusgeschäft verheizt werden. Dass es auch anders geht, das erfahre ich nahe des Örtchens Mae Sapok am Rande des Doi-Inthanon-Nationalparks.

Eingebettet zwischen dichtem Urwald und malerischen Reisfeldern hat der ehemalige Tierpfleger Bodo Förster vor einigen Jahren ein Elefanten Camp errichtet mit dem es ihm gelungen ist, Tourismus und Tierschutz sinnvoll in Einklang zu bringen. Irgendwann kaufte er seinen ersten Elefanten, und mietete einige weitere Tiere mitsamt ihren „Mahouts“, den Elefantenführern dazu. Aus einem Camp wurden zwei. Mittlerweile besitzt Bodo Förster 18 Elefanten und „Elephant Special Tours“ ernährt knapp 400 Familien in der Region.

Bodo Förster möchte den Menschen Respekt vor den Elefanten beibringen und den Tieren ein würdevolles Leben ermöglichen. Ich lerne bei ihm, viel über die Dickhäuter und spüre von der ersten Sekunde an, dass das Wohl der Elefanten bei seinem Konzept ganz klar im Vordergrund steht.

Nachdem ich unzählige Kurven auf dem Loop geschliffen habe geht es jetzt weiter nach Laos. Auf einsamen Straßen fahre ich entlang der burmesischen Grenze, mache einen Schlenker vorbei am Goldenen Dreieck und einen Umweg durch die Provinz Nan. Nach sechs Wochen durch Thailand erreiche ich bei Huay Kon schließlich den Grenzübergang.

Die Einreise nach Laos ist verglichen mit dem Theater in Thailand ein Kinderspiel. Ich fülle meinen Visaantrag aus und nach einer nur oberflächigen Kontrolle darf ich passieren. Danke für die schnelle Abwicklung und willkommen in Laos.

Das Laos anders ist als Thailand, das spürt man schon auf den ersten Kilometern. Die Straßen sind marode und die touristische Infrastruktur wesentlich ärmer als im Nachbarland. In vielerlei Hinsicht mag das Land dadurch anstrengender zu bereisen sein, doch unterm Strich wird es in meinen Augen dadurch nur noch spannender. Verglichen mit dem höher entwickelten Thailand kommt Laos wie ein verschlafenes Naturparadies daher, das weder Traumstrände, noch einzigartige kulturelle Monumente vorzuweisen hat. Hierher kommt wirklich nur, wer das unberührte Asien erleben möchte, in dem sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht allzu viel verändert hat.

Mein erstes Ziel ist Luang Prabang, die Perle am Mekong. Wie eine ruhende Oase versetzt einen die Stadt in eine Zeit, in der es keinen Stress und keine Hektik zu geben scheint. Noch vor zwanzig Jahren tauchte Luang Prabang in keinem Reisekatalog auf. Erst nach der Öffnung des sozialistischen Landes in den 90er Jahren kamen zuerst die Backpacker, denen wie so oft betuchtere Pauschaltouristen folgten. Heute ist die zweitgrößte Stadt des Landes ein favorisiertes Etappenziel auf so manch einer Reise durch Südostasien. Auch mir gefällt es dort so gut, dass ich spontan beschließe, ein paar Tage länger zu bleiben, als ursprünglich geplant.

Die populärste Attraktion in Luang Prabang ist das sogenannte Tak Bat, der Almosengang der Mönche. Jeden Morgen vor Sonnenaufgang verlassen Hunderte von ihnen in safranfarbenen Roben die Klöster, um die Gaben der Gläubigen entgegenzunehmen, die kniend auf dem Gehsteig warten. Angesichts der vielen Schaulustigen könnte es leider passieren, dass man die Prozession nicht mehr lange erleben kann, denn man spürt, dass die Mönche sich von den oftmals rücksichtslosen Touristen überfordert fühlen.

Von Luang Prabang geht es über Lehmpisten und löchrige Straßen weiter in den äußersten Norden. Die Armut des sozialistischen Landes wird kaum irgendwo sonst so deutlich, wie im Grenzgebiet zum Nachbarland China. Viele Menschen leben ohne Zugang zu Strom und Wasser in einfachen Baracken, die aus Brettern, Plastikfolie oder Kartons notdürftig zusammengezimmert wurden. Wesentlich idyllischer sieht es ein Stück weiter südlich aus. Eingebettet zwischen dichtem Dschungel und mächtigen Karstbergen, da liegt Nong Khiaw. Das Städtchen am Ufer des Nam Ou Flusses gehört zu jenen Orten, in denen man schnell die Zeit vergisst.

Da es in Laos mehr Fluss- als Straßenkilometer gibt, gehören Bootstouren zu den beliebtesten Touristenattraktionen im Land. Drei solcher Touren habe auch ich mir für die kommenden Tage ausgesucht und die Fahrt auf dem Nam Ou Fluss wird die erste sein.

Mit einem typischen Longboat, das ich für einen Tag gemietet habe, geht es stromabwärts immer tiefer in den Dschungel hinein. Nur vereinzelt sieht man noch ein paar Hütten am Ufer. In weiten Teilen verläuft der Fluss durch Gebiete, die nur mit dem Boot zu erreichen sind und in denen noch Wilde Nashörner, Elefanten und Tiger beheimatet sind.

Ich bin wohl einer der letzten, der diese Fahrt genießen kann, denn zwei große im Bau befindliche Staudämme, die China mit Energie versorgen sollen, werden die Region wohl schon bald nachhaltig verändern.

Nach ein paar Stunden mündet der Nam Ou in den Mekong und die Fahrt endet am späten Nachmittag schließlich wieder in Luang Prabang. Bis hier hin war es ein grandioser Tag, wenn mir nicht die Rückfahrt nach Nong Kiaw zu meinem Motorrad in einem klapprigen Minibus bevorstehen würde. Ein Gutes hat die holprige Fahrt jedoch, denn mir wird noch einmal bewusst, was für ein Privileg es doch ist, mit dem Motorrad zu reisen.

Zwei Tages Etappen weiter südlich wartet nahe des Dorfes Ban Kong Lor ein weiteres Flussabenteuer auf mich. Mit sehr einfachen Booten kann man dort eine aufregende Reise in die Unterwelt machen. Im Laufe der Jahrtausende hat sich der Nam Hin Bun Fluss eine acht Kilometer lange und stellenweise bis 100 Meter hohe Höhle durchs Gestein gegraben. In völliger Dunkelheit tief unter einem Berg hindurch zu fahren, gehört naturgemäß nicht zu den Situationen, die Wohlbehagen auslösen dennoch ist die knapp einstündige Fahrt ein unvergessliches Erlebnis, das man in Laos nicht verpassen sollte

Der Weg, dem ich nun weiter folge, verläuft deckungsgleich mit dem legendären Ho Chi Ming Pfad – einem Wegenetz, das während des Vietnamkrieges traurige Berühmtheit erlangte. Es war eine der größten Geheimoperationen in der Geschichte des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA. Ziel war es, die Nachschubroute für die im Süden kämpfende Nationale Front für die Befreiung Südvietnams – kurz Vietcong genannt – zu zerstören. Dieses Netzwerk aus Wegen und Straßen führte zu großen Teilen aber gar nicht durch Vietnam, sondern durchs Nachbarland. Ohne dass die Öffentlichkeit groß Notiz davon nahm, gingen zwischen 1965 und 1973 2,1 Millionen Tonnen Bomben über Laos nieder. Das sind mehr, als während des gesamten Zweiten Weltkrieges abgeworfen wurden. Noch immer sind etliche Gebiete, durch Blindgänger und Minen verseucht.

Stundenlang sitze ich in den nächsten Tagen im Sattel. Obwohl die Wege auf denen ich unterwegs bin ständig zwischen löchrigem Asphalt und buckliger Staubpiste wechseln und das Vorwärtskommen bei Temperaturen von fast 40 Grad eine echte Herausforderung darstellt, genieße ich jeden Kilometer. Diese Art zu Reisen ist für mich einfach das Größte. Und wenn ich dann abends wieder unter dem Moskitonetz liege und ich jeden Knochen im Leib spüre, dann kann ich es dennoch kaum erwarten, am nächsten Morgen wieder im Sattel zu sitzen.

Im äußersten Süden des Landes führt mich der Weg wieder an den Mekong. Auf seinem 4.350 Kilometer langen Weg von Tibet ins Südchinesische Meer ist der Fluss nirgendwo so wild, wie im Grenzgebiet zwischen Laos und Kambodscha. Hier nimmt die Fließgeschwindigkeit deutlich zu ehe der legendäre Fluss mit tosendem Lärm über zahllose Felsen in Richtung Süden donnert.

Von den Mekongfällen sind es jetzt keine zehn Kilometer mehr bis zur Grenze. Es wäre wirklich gelogen, wenn ich behaupten würde, dass mir die ersten Kilometer auf kambodschanischen Straßen großen Spaß bereiten. Gut 400 Kilometer brettere ich über die bucklige Hauptverbindungsstraße des Landes in Richtung Süden, ehe ich mit staubgefüllter Lunge die Hauptstadt erreiche.

Mit 1.7 Millionen Einwohnern ist Phnom Penh die mit Abstand größte Stadt Kambodschas und zugleich auch das bedeutendste wirtschaftliche Zentrum des Landes. Wenn man sich in der quirligen Hauptstadt umschaut und in die vielen fröhlichen Gesichter blickt, dann ist es schwer vorstellbar, welch schmerzhafte Geschichte dieses Land doch in jüngster Vergangenheit verarbeiten musste.

»Drei Jahre, acht Monate und 20 Tage«, so nennen die Kambodschaner jene Zeit zwischen 1975 und 1979, in der fast ein Drittel der Bevölkerung der Schreckensherrschaft der Roten Khmer zum Opfer fiel. Angeführt von Pol Pot wollten die Steinzeit-Kommunisten einen reinen Bauernstaat gründen, in dem kein Platz war für Intellektuelle und anders Denkende. Geld wurde abgeschafft, Bücher verbrannt, Schulen geschlossen und die Hauptstadt beinahe vollständig entvölkert. Beinahe die gesamte geistige Elite des Landes wurde umgebracht. Rechtsanwälte, Ärzte, Lehrer – selbst Menschen, die eine Fremdsprache beherrschten oder eine Brille trugen, wurden als Staatsfeinde grausam ermordet.

Schätzungsweise zwei Millionen Menschen – also rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung – fielen den Roten Khmer zum Opfer. Erst als im Jahr 1978 die Nordvietnamesen in Kambodscha einmarschierten, hatte der Terror endlich ein Ende.

Obwohl man in Phnom Penh sehr viele belastende Eindrücke auf seine Schultern lädt, überwiegen doch die positiven Eindrücke. Man spürt, dass das tragische Schicksal dem Land ein neues Gesicht verliehen hat und es ist gut zu sehen, dass die Kambodschaner zuversichtlich in eine bessere Zukunft blicken.

Mit den Tempeln von Angkor wartet im Dschungel des nordwestlichen Kambodscha das kulturelle Highlight dieser Reise auf mich. Jahrhunderte lang lagen die Ruinen des einstigen Khmer-Reiches unter dem dichten Geäst des Dschungels verborgen, ehe sie im Jahr 1860 von französischen Forschern entdeckt wurden. Mittlerweile haben Archäologen über 1.000 Tempel und Heiligtümer freigelegt, die zu einer Stadt gehörten, in der zur Blütezeit im 12. Jhd. rund eine Millionen Menschen lebten – viel mehr als in jeder anderen europäischen Stadt zu jener Zeit.

Die Tempelanlage lässt sich mit nur einem Wort beschreiben: Wahnsinn! Ich muss mich der Wahl des Lonely-Planet-Verlages anschließen, der Angkor jüngst zur wichtigsten Sehenswürdigkeit der Welt gekürt hat. In den Ruinen kann man sich tatsächlich noch wie ein Entdecker fühlen, der eine längst vergessene Welt betritt.

Obwohl die Besucherzahlen in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen sind, ist es doch noch immer möglich, die mystische Atmosphäre Angkors zu erleben. Es kommt nur darauf an, geschickt die Massen zu meiden. Da nahezu alle Touristen nach derselben, Zeit- und Routenplanung durch die Tempel geschleust werden – lässt sich der Besuch relativ leicht um das Gedränge herum planen. Dabei erweist es sich einmal mehr als riesiger Vorteil, mit dem eigenen Motorrad unterwegs zu sein. Neben den asphaltierten Hauptwegen wird das riesige Areal auch von unzähligen Dschungelpfaden durchzogen. Ich nutze diese Schleichwege, um völlig ungestört von einem Tempel zum nächsten zu fahren.

Ta Prohm ist mein persönlicher Favorit unter den verschiedenen Tempeln Angkors. Das liegt vor allem daran, dass die Bauwerke weitestgehend so belassen wurden, wie die Forscher sie im vorletzten Jahrhundert vorgefunden haben. Große Teile werden noch immer von gigantischen Würgefeigen überwuchert, die oft über 50 Meter hoch in den Himmel ragen.

Nach über 15.000 Kilometern und einem knappen Vierteljahr unterwegs kehre ich nach Bangkok zurück. Ich hätte den Zeitpunkt meiner Ankunft nicht besser wählen können, denn das thailändische Neujahrsfest Songkran steht vor der Tür. Das vermutlich wildeste Fest Südostasiens, bei dem die Straßen drei Tage lang zur Bühne einer gigantischen Party werden.

Das Songkran Fest war ursprünglich als rituelle Reinigung zu Beginn des neuen Jahres gedacht. Alles Schlechte wird dabei symbolisch weggewaschen und ein neues Jahr willkommen geheißen. Aus einer sehr alten Tradition hat sich über die Jahre eine regelrechte Wasserschlacht entwickelt.

Einheimische und Touristen feiern gemeinsam und jeder versucht den anderen so nass wie möglich machen. Egal ob Wasserpistolen, Eimern, Gartenschläuchen oder Hochdruckreinigern, es kommt alles zum Einsatz, was eine ordentliche Dusche verspricht. Die 12 Millionen-Metropole ist völlig aus dem Häuschen und ich habe das große Vergnügen mittendrin zu sein. Obwohl Millionen von Menschen auf den Straßen feiern und Alkohol in Strömen fließt, bleibt es überall friedlich.

Nach einem dreitägigen Feier-Marathon muss ich den Export meines Motorrades ­übergeben habe kommt es wieder zu Komplikationen. Ein fehlender Stempel, den ich angeblich bei der Wiedereinreise aus Kambodscha nicht bekommen habe, wird dieses Mal als Grund für die Verzögerung angegeben. Mein Frust könnte kaum größer sein.

Da ich nicht sinnlos Zeit vergeuden will und es erfahrungsgemäß ausreicht, per Email erreichbar zu sein, setze ich mich in den Zug und fahre an die Golfküste. Nahe der Stadt Prachuap Khiri Khan verbringe ich die Wartezeit am Meer.

Nachdem die Exportgenehmigung denn endlich erteilt und mein Motorrad auf den Weg gebracht wurde, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich Abschied von Südostasien nehmen muss. Doch es besteht kein Grund, an dieser Stelle Trübsal zu blasen, denn ich werde noch nicht zurück nach Deutschland fliegen. Mein Motorrad ist bereits auf dem Weg nach Japan, wo die Reise direkt im Anschluss weitergehen wird. Noch ahne ich nicht, was für ein unglaublich faszinierendes Land mich auch dort erwarten wird.

 

Reiseinfos Südostasien

 

An- und Einreise:

Die Thailändische Hauptstadt Bangkok liegt rund zehn Flugstunden von Deutschland entfernt. Die Flüge kosten je nach Reise- und Buchungszeit zwischen 500 und 1.000 Euro für Hin- und Rückflug. Mit etwas Glück findet man manchmal sogar Angebote für unter 400 Euro.

Die Zeitverschiebung beträgt von der Deutschen Winterzeit aus +6 Stunden.

Für die Einreise nach Thailand ist für EU Bürger ein noch mindestens 6 Monate gültiger Reisepass erforderlich. An der Passkontrolle bekommt man dann ein 30 Tage gültiges Standard Visum ausgestellt.

Wenn man bei der Einreise kein Weiter- oder Rückreiseticket vorweisen kann, so ist ein Touristen Visum erforderlich, das man vor der Einreise bei einer thailändischen Botschaft in Deutschland einholen muss.

 

Motorradtransport:

Der Transport des eigenen Motorrades nach Südostasien ist leider mit hohen Kosten verbunden. Auf dem Seeweg kostet der Transport von Deutschland nach Bangkok rund 600-800 Euro für eine Strecke. Der wesentlich schnellere Lufttransport ist deutlich teurer. Hier liegen die Kosten je nach Anbieter zwischen 1.200 und 1.800 Euro für eine Strecke. Die Verfrachtung zurück muss man oftmals vor Ort organisieren.

Ich habe mein Motorrad mit „Yusen Logistics“ auf der Strecke Düsseldorf – Bangkok – Tokio – Düsseldorf verfrachtet.

 

Motorrad mieten:

Ein Motorrad zu mieten ist für kürzere Reisen daher die beste Option. Von den drei Ländern, die ich auf dieser Reise besucht habe, ist dies in Thailand am einfachsten. Das Angebot dort ist wesentlich größer als in den Nachbarländern, weshalb auch die Miet-Preise deutlich günstiger sind, als in Laos oder Kambodscha. Ich würde die thailändische Stadt Chiang Mai als Ausgangspunkt für eine Motorradtour empfehlen. Einen sehr guten Ruf genießt der Motorradverleiher „Mr. Pop“, der fast 1.000 Motorräder! Im Angebot hat.

Eine brauchbare 250er Enduro kostet etwa 10 – 20 Euro pro Tag. Größere oder aktuelle Motorradmodelle sind deutlich teurer.

 

Tanken:

Wer in Thailand mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, der braucht sich keine Sorgen um die Spritversorgung zu machen. Das Tankstellennetz ist sehr gut ausgebaut. Auch in ländlichen Gebieten. In manchen Regionen kann es aber vorkommen, dass man mit sehr kleinen Verkaufsstellen vorlieb nehmen muss, wo der Sprit entweder aus Fässern oder gar aus Plastikflaschen abgefüllt wird.

In Laos und Kambodscha ist das Angebot nicht ganz so groß. Zwar sind an den großen Hauptverbindungsstraßen ausreichend Tankstellen vorhanden, dort werden jedoch nur zwei Sorten angeboten: Diesel und Regular – eine Einheitsbrühe mit etwa 85 Oktan.

Die Kosten betragen in Thailand ca. 1 Euro pro Liter. In Kambodscha & Laos: ca. 1,30 Euro

 

Verkehr:

Ich will um Himmels Willen nicht dazu aufrufen geltende Verkehrsregeln vor Ort zu brechen, aber ich weiß aus eigener Erfahrung – und ich habe einige brenzlige Situationen erlebt – dass man in Südostasien am sichersten unterwegs ist, wenn man sich eben nicht unbedingt an jede Regel hält, sondern so fährt, wie man das in der jeweiligen Situation für am sichersten hält. Falls es dann doch einmal zu einem Unfall kommen sollte, dann muss man sich im Klaren darüber sein, dass man als Ausländer stets die Schuld trägt – egal ob unschuldig oder nicht. Die thailändische Polizei beispielsweise vertritt den Grundsatz, dass es nicht zum Unfall gekommen wäre, wenn man zuhause geblieben wäre.

 

Kosten:

Essen: Am günstigsten isst man in den kleinen Garküchen. Ein einfaches aber sehr leckeres Gericht wie etwa Pad Thai, gebratene Nudeln oder Reis bekommt man ab etwa 30 Bath. Das entspricht umgerechnet etwa 75 Cent.

Bier: Ein Bier, das in der Regel immer in der Flasche serviert wird, ist im Verhältnis zum Essen relativ teuer und kostet pro 0,6 Literflasche rund 2 Euro.

Übernachtungen: Unterkünfte sind in Südostasien so günstig, dass ich erstmals auf einer Reise auf die Mitnahme von Zelt und Schlafsack verzichtet habe. Ich habe in den drei Monaten vor Ort ziemlich genau 1.000 Euro für Übernachtungen ausgegeben, was durchschnittlich 11 Euro pro Nacht entspricht. Manchmal bekommt man ein brauchbares Zimmer schon für etwa 2,50 Euro – in touristischen Gegenden, gerade auf den Inseln oder an der Küste muss man etwas mehr einkalkulieren. Man sollte wissen, welcher Übernachtungsstandard einem wichtig ist. Selbst gehobene Hotels sind in Thailand im Vergleich zu anderen Ländern sehr günstig.

Kommunikation:

Vor ein paar Jahren hätte ich es nie für möglich gehalten, dass ich das Smartphone einmal zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen zählen würde. Egal ob man ein Hotel buchen, einen Wechselkurs umrechnen oder sich über das nächste Reiseziel informieren möchte – alle nötigen Informationen sind nur wenige Klicks entfernt.

Mich hat überrascht, was für ein gutes und modernes Telekommunikationsnetz es in Thailand gibt. SIM-Karten (ich war sehr zufrieden mit dem Anbieter „True-Move“) werden an allen großen Flughäfen oder in jedem Supermarkt angeboten und kosten etwa 20 Euro. Mit dieser Karte kann man dann stundenlang nach Deutschland telefonieren (billiger als ein Ortsgespräch in Deutschland) und im Internet surfen. Bei Bedarf kann man sein Guthaben problemlos aufladen.

In Laos und Kambodscha beschränkte sich die Nutzung des „WIFI“, wie WLAN international heißt, auf Cafés, Restaurants und Unterkünfte.